Åhlens AB - Sanierungsumbau Kaufhaus Åhlens - Uppsala


In der gläsernen Hülle spiegelt sich die angrenzende Bebauung. © Tham & Videgård Arkitekter

Verzerrte Spiegelungen auf der Rückseite des Neubaus. © Tham & Videgård Arkitekter

Das innenseitig aufgedruckte Muster ermöglicht einen optimierten Sonnenschutz. © Tham & Videgård

Im Innenraum sollen direkte Blickachsen zwischen den Ebenen geschaffen werden. © Tham & Videgård
Moderne Konsumtempel
Überall in Europa wurden in den 1950er- und 1960er-Jahren große moderne Kaufhäuser als urbane Meteoriten in gewachsene Innenstadtstrukturen eingepflanzt. Mit ihrem riesigen Warenangebot galten die riesigen Konsumtempel jahrzehntelang als Symbol für Modernität und Fortschritt und als wichtige Besuchermagneten für die Innenstädte. Doch inzwischen ist der Glanz der alten Tage längst gewichen, die meisten Kaufhäuser kämpfen mit massiven Umsatzrückgängen oder stehen vielerorts bereits leer.
Sprung in die Gegenwart
Ähnliche Probleme kennt auch das Kaufhaus Åhléns in der schwedischen Kleinstadt Uppsala, rund 50 Kilometer nördlich von Stockholm gelegen. Der quaderförmige dreigeschossige Bau war 1961 gegen den Willen der meisten Bürger anstelle eines prachtvoll gestalteten Barockhauses aus dem 17. Jahrhundert neu errichtet worden; die ornamentale Rasterung des transparenten Betonvorhanges zeigt dabei die typischen Merkmale der späten 1950er- und frühen 1960er-Jahre.
Trotz des anfängliche Widerstandes hat sich das Kaufhaus im Laufe der Jahrzehnte zum festen Bestandteil des Stadtbildes von Uppsala entwickelt. Doch jetzt soll das Haus nach rund 50-jährigem Betrieb grundlegend renoviert und modernisiert werden. Mit der Planung und Umsetzung des Projekts war 2010 das Büro Tham & Videgård aus Stockholm beauftragt worden. Als Antwort auf die zentrale Grundstückslage am zentralen Platz Stora Torget mit seiner überwiegend historischen Bebauung hatten die Architekten vorgeschlagen, den massiven Bau komplett zu entkernen und durch zusätzliche Eingänge zu öffnen. Und für eine komplett neue Außenwirkung soll die kantige Betonästhetik der schwedischen Nachkriegsmoderne durch eine durchgehende, an den Kanten elegant abgerundete Hülle aus Spiegelglas ersetzt werden.
Spiegelfassade aus Glas
Von dem tiefgreifenden Face-Lifting werden am Ende sowohl die vorbeilaufenden Passanten als auch die Kunden profitieren. Denn die spiegelnde Hülle lässt nicht nur das inzwischen recht angestaubte Kaufhaus in völlig neuem Licht erstrahlen, es rehabilitiert auch die angrenzende Bebauung. Die abgerundete Form des gläsernen Vorhangs schafft dabei teilweise völlig neue Perspektiven und ermöglicht so eine komplette Neuinterpretation des Platzes. Ganz so, als würden Tham & Videgård der Stadt einen überdimensionalen Spiegel vorhalten, in dem sich die eigene Geschichte als teilweise verzerrtes Abbild darstellt. Je nach Wetter und Blickwinkel werden sich die Reflexionen zudem mit den Umrissen der dahinter gelegenen Architektur überlagern.
Und auch im Innenraum wird die neue Fassade für völlig neue Ansichten sorgen. Denn bei ihrer Fahrt auf der Rolltreppe können die Kunden demnächst durch die Glashülle hindurch Hülle auf den zentralen Platz und die gegenüberliegende Bebauung blicken. Bis es soweit ist, müssen sich die Bürger der Stadt allerdings noch gedulden. Denn die Bauarbeiten sollen erst im Frühjahr 2012 losgehen. Zeit genug also, um sich von dem alten Betonvorhang zu verabschieden.
Åhlens AB, Stockholm
Tham & Videgård, Stockholm
Fertigstellung: voraussichtlich 2012




