Architektonischer Kompromiss – Bürogebäude Große Bleichen 34 in Hamburg


Fotos: Famos Immobilien / Andreas Braun

Fotos: Famos Immobilien / Andreas Braun

Fotos: Famos Immobilien / Andreas Braun
Das alte Lied: Beim Wettstreit zwischen Alt und Neu unterliegt in der Architektur zumeist das Alte, das historisch Gewachsene, das für eine neue Nutzung nicht geeignet scheint. Dass es häufig auch andere Lösungen gibt, zeigt der nach Plänen von André Poitiers realisierte Umbau des Gebäudes Große Bleichen 34 in Hamburg. Aufgrund seiner überraschenden Verbindung von Alt und Neu wurde das direkt gegenüber vom Ohnsorgtheater und in unmittelbarer Nachbarschaft zur Einkaufspassage Hanseviertel gelegene Projekt zuletzt mit dem Hamburger Architekturpreis 2010 bedacht.
Die Zerbrechlichkeit des Alters
Das 1842 nach dem großen Stadtbrand im Zentrum der Innenstadt errichtete Büro- und Geschäftshaus war 160 Jahre nach seiner Entstehung aufgrund baulicher Mängel zum Abbruch vorgesehen. Aufgrund massiven Widerstands aus der Bevölkerung entschied sich die Famos Immobilien AG als Projektleiterin und Eigentümerin des Gebäudes jedoch für einen teilweisen Erhalt des Objektes: Um den optischen Eindruck des alten Kaufmannshauses zu bewahren, wurde die über drei Geschosse reichende Putzfassade dazu kurzerhand in drei Teile getrennt und für anderthalb Jahre eingelagert. Während dieser Zeit wurden die drei insgesamt 86 Tonnen schweren Wandelemente aufwändig saniert, mit einer Stahlcorsage versehen und mit Spritzbeton stabilisiert; um dann schließlich als Identität stiftende Hülle millimetergenau vor den mittlerweile entstandenen achtgeschossigen Neubau platziert zu werden. Die 1.400 Quadratmeter große Verkaufsfläche des Gebäudes im Erdgeschoss wurde im Kontrast mit einer großen Glasfront gestaltet. Oberhalb der vorgesetzten Altbauwand schließen sich vier durchgehend verglaste Büroebenen an. Die oberen beiden Geschosse wurden dabei der Traufhöhe der angrenzenden Bebauung entsprechend deutlich zurückliegend platziert und sind von der Straße aus daher nicht sichtbar.
Mutiger Generationenwechsel
Einen weiteren überraschenden „Stilbruch“ hält das Gebäude im Hinterhof bereit. Hier ergänzte André Poitiers die vorhandene Bausubstanz durch einen schmalen, oberhalb eines Sockels viergeschossig aufsteigenden Neubau. Die großzügig geöffneten, ganz im Stil der Klassischen Moderne gestalteten Fassaden schaffen dabei einen angenehm hellen Kontrast zu den Backsteinfassaden der Nachbargebäude. Ein mutiges Stück Architektur, das selbstbewusst zwischen Alt und Neu vermittelt und dabei unerwartet neue Spielräume gewinnt.
Famos Immobilien GmbH, Korschenbroich
André Poitiers, Hamburg
Fertigstellung: 2010
BGF: 3.500 m²




