Herzog & de Meuron, Hilmer & Sattler, Ivano Gianola - Fünf Höfe - München
Die typischen, aus Amerika bekannten Einkaufszentren oder Shopping Malls beruhen auf dem Konzept der in sich geschlossenen Einheit. Diese Art von Mini-Universum bietet dem Besucher alles was er braucht – und wenn er nicht möchte muss er den geschlossenen Raum nicht wieder verlassen. Wo sich dieses Mini-Universum, diese geschlossene Einheit befindet, ist nicht wichtig. Die Außenwelt verliert an Bedeutung, sie gerät in Vergessenheit, sowohl für den Besucher, als auch für den Architekten. Anders sieht es jedoch aus, wenn man in ein bestehendes, über Jahre gewachsenes System hinein baut. Wenn die Planer sich den bestehenden Gegebenheiten anpassen müssen, ohne den Blick in die Zukunft zu verlieren. Wenn man an Tradition anknüpfen muss ohne dabei in überholte Muster zu verfallen. Wenn eine Einheit aus vielen Elementen geschaffen werden soll, ohne dass dabei die Individualität des Einzelnen verloren geht. Dieser typischen städtebaulichen Herausforderung haben sich in den Jahren 1998 bis 2003 die Architekten Herzog & de Meuron in der Münchner Altstadt gestellt. Auf einer Grundstücksfläche von rund 24.000 m² ist dabei in zwei Bauabschnitten die Einkaufspassage Fünf Höfe zwischen Salvator-, Theatiner- und Kardinalstraße entstanden. Mit rund 60 La¬den¬ge¬schäfte, acht Ca¬fés und Re¬stau-rants sowie 27 Wohnungen und 30 Büros ist sie der Gegenentwurf zur amerikanischen Shopping Mall. Einst Filiale und Verwaltungsgebäude der ehemaligen Hypo-Bank und Vereinsbank, wurden 19 Architekten dazu eingeladen, ein Konzept für den Umbau zu entwickeln. Gastronomische Einrichtungen, Geschäfte, Büros wie auch Wohnungen sollten darin enthalten sein. Als Sieger ging das Baseler Architekturbüro Herzog & de Meuron aus dem Wettbewerb hervor. Ausschlaggebend für deren Sieg war nicht das innovative Konzept für den Umbau, sondern vor allem das große Verständnis dafür, die Typologien der umgebenden Altstadt aufzunehmen, zu erhalten und zu ergänzen. Der bisher geschlossene Altstadtblock wurde komplett entkernt und geöffnet. Ähnlich der gewachsenen Parzellenstruktur der Stadt, ziehen sich Höfe und Passagen im Inneren des Quartiers wie ein feines, durchlässiges Netz und verbinden und trennen die sechs einzelnen Häuser voneinander.
Shoppen im Urbanen Dschungel
Die Idee von Herzog & de Meuron war es, verschiedene Architekturbüros mit der Gestaltung einzelner Baukörper zu beauftragen und so ein einzigartiges Ensemble entstehen zu lassen, das verschiedene Architektursprachen verbindet. Von Ivano Gianola gestaltet, herrschen im Schäfflerhof massive Formen und Blankziegel vor und bilden das Gegenstück zum Maffeihof mit einer Fassade aus Glas und Stahl, die ebenfalls von Gianola stammt. Das Ensemble vervollständigend, waren die Architekten Hilmer & Sattler bzw. Kollhoff & Timmermann verantwortlich für Saalgebäude und Gablerhaus. Alle Elemente werden durch das Herz des Areals, die Salvatorpassage miteinander verbunden, die vollständig mit Glas verkleidet ist und durch an der Decke hängende Schlingpflanzen die Anmutung eines urbanen Dschungels erhält. Künstlerischer Höhepunkt ist das acht Tonnen schwere Kunstobjekt von Olafur Eliasson, das über dem Viscardihof schwebt. Die riesige Kugel aus stark verspiegelten Spiralbändern schwebt wie ein Mini-Universum über den Köpfen der Passanten, doch nur in Kombination mit den Fünf Höfen und der Münchner Innenstadt wird sie zu einer geschlossenen Einheit.
Fünf Höfe GmbH & Co KG, vertreten durch HVB Immobilien AG, München
Herzog & de Meuron, Basel (CH), Hilmer & Sattler, München, Ivano Gianola, Mendrisio (CH)
Bauzeit: 1998 - 2003




















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