David Chipperfield - Erweiterungsbau San Michele - Venedig, Italien


Einer der vier Höfe des neuen Gebäudes

Der Eingang in das Raumkonzept

Einblick in einen Innenhof

Ein durchgestaltetes Gesamtkonzept

Hier trifft der alte Kern auf die Erweiterung

Die Nischengräber

Die verschachtelten Höfe
Der Friedhof San Michele in Venedig gehört zu den bekanntesten Friedhöfen in Europa. Das unter Denkmalschutz stehende Friedhofsareal wurde nun durch das Londoner Architekturbüro David Chipperfield Architects erweitert.
Schon seit Beginn des 19. Jahrhunderts ist die Insel San Michele in der Lagune Venedigs als Insel der Toten bekannt. Auf Grund von vielen Epidemien hatte ein Friedhof bis dahin den Ruf als unhygienischer und Unglück bringender Ort. Viele Friedhöfe wurden darum in dieser Zeit aus den Städten ausgelagert, im Falle Venedings wurden die Toten nun auf der Insel San Michele bestattet, die zu einer nahe gelegenen, kleinen Insel hin aufgeschüttet wurde.
Der Architekt Annibale Forcellini erweiterte ab 1858 die Friedhofsinsel mit dem Kloster aus dem 13. Jahrhundert. Forcellini wählte für die Gestaltung eine sehr klare und orthogonale Formsprache. Vor dem Kloster wurde ein halbmondförmiges Gebeinhaus errichtet und von dort aus regiert das streng quadratische Raster der Grabfelder die Struktur der Insel.
In dieser Zeit fanden am Totensonntag mystische Zeremonien statt, zu denen eine von Gondeln getragene, provisorische Brücke die Insel mit der Stadt verband. Normalerweise wurde der Friedhof per Schiff besucht, und auch die Särge wurden mit Gondeln auf den Friedhof gebracht.
Die Erweiterung
1998 erzwang ein erneuter Platzmangel die Erweiterung der östlichen Insel. Da sich der notwendige Eingriff stark auf das Bild der Küste Venedigs und die unter Denkmalschutz stehende Friedhofsinsel auswirkt, wurde ein internationaler Wettbewerb ausgelobt.
Das Büro David Chipperfiel Architects gewann diesen Wettbewerb mit einem absolut neuen Gesamtkonzept. Nach 10 Jahren Bauzeit konnte jedoch gerade einmal der erste Teil des Entwurfs errichtet werden. Die Erweiterung betrifft eine Fläche von 60.000 m2 und kostet ca. 25 Mio Euro.
Der neue Block
Scheinbar hermetisch abgeriegelt steht ein neuer Gebäudeblock Seite an Seite mit der alten Ziegelmauer, die die Insel umschließt. Das neue, massive Basaltgebäude wirkt von Außen betrachtet wie ein fester, geschlossener Riegel. Geht man jedoch über die Eingangsstufen durch eine der wenigen Öffnungen hindurch, erschließt sich einem eine Öffnung nach der anderen. Das Innere des Riegels besteht aus einer Raumabfolge und Verschachtelung von vier Höfen, die die Namen der Evangelisten tragen. Zwei dieser Höfe sind quadratisch, die anderen beiden rechteckig. Jeder Hof ist anders gestaltet und ausformuliert. Das Gesamtkonzept erinnert an die kleinen, verschachtelten und unterschiedlichen Gassen Venedigs.
Während das neue Gebäude von Außen unangenehm kalt und geschlossen wirkt, profitiert es im Inneren gerade von dieser Geschlossenheit. Man wechselt beim Durchschreiten zwischen intimen und offenen Räumen, was für ein abwechslungsreiches Raumgefühl sorgt. Der neue Totenhaus von David Chipperfield steht in einem starken Kontrast zum alten Teil des Friedhofs.
Der Ausblick in die Zukunft
Die Arbeiten von David Chipperfield Architekten sind aber noch nicht abgeschlossen. So wird das geplante Gesamtbild wohl erst zu erkennen sein, wenn die Anbauten zum Solitärgebäude fertig gestellt sind. Dann erst wird vermutlich der gedachte Zusammenhang zum historichen Teil spürbar. Die Innenwände der Höfe werden sich zudem schnell verändern, wenn die Platzhalterplatten der Nischengräber durch Grabplatten ersetzt werden. Das dauert aber noch. Denn der von David Chipperfield Architekten geplante Gesamtkomplex wird wohl allem Anschein nach nicht wie geplant 2013 fertig gestellt werden können.
David Chipperfield Architects
Baujahr 2010







