Dominique Perrault Architecture - Europäischer Gerichtshof - Luxemburg


Aus der Vogelperspektive wird die Anordnung der Baukörper deutlich. © Gérard Borre / DPA/Adagp

: In den beiden Hochhausscheiben sind die Übersetzerbüros angesiedelt. © Georges Fessy / DPA/Adagp

Über dem zentralen Gerichtssaal steigt ein goldener Baldachin empor. © Georges Fessy / DPA/Adagp 

Die schimmernden Glaspaneele vermitteln zwischen Neu und Alt. © Georges Fessy / DPA/Adagp

Acht Glasbrücken als Verbindung von Ringbau und saniertem Bestand. © Georges Fessy / DPA/Adagp
Europa wächst
Seit 1952 ist der Europäische Gerichtshof in Luxemburg angesiedelt. Seit 1972 residiert er dort im sogenannten „Palais“ auf dem Kirchberg-Plateau, dem modernen Europaviertel im Nordosten der Stadt. Da der betont funktional im 70er-Jahre-Strukturalismus gestaltete Altbau inzwischen jedoch deutlich zu klein geworden war, hatte die Luxemburgische Regierung 2002 beschlossen, den bereits mehrfach ausgebauten Bestand grundlegend zu sanieren und durch einen Neubau zu ergänzen.
Mit der Planung des Projekts war schließlich Dominique Perrault beauftragt worden. Der Pariser Architekt umschloss das vollständig entkernte und asbestsanierte Palais durch ein zweigeschossiges, rund vierzehn Meter hoch aufgeständertes Ringgebäude und ergänzte das Ensemble anschließend durch zwei 105 Meter hohe Zwillingstürme mit jeweils 24 Geschossen. Um die exponierte Platzsituation des Gebäudes zu erhalten, wurde außerdem ein unterirdischer Erschließungstrakt hinzugefügt.
Zwiebelartiger Aufbau
Die Außenhülle des neu hinzugefügten Ringbaus setzt sich zusammen aus vertikal eingesetzten, dabei leicht golden schimmernden Glaselementen, die oben und unten über die dahinter liegende Glas-Metall-Fassade hinausragen. In den Innenräumen des neuen Traktes ist nach dem Erweiterungsumbau der überwiegende Teil der Büros angesiedelt.
Über acht gläserne Brücken gelangen die Richter anschließend in den mittig gelegenen und rundum sanierten Altbau des Europäischen Gerichtshofes mit dem Gerichtssaal im Zentrum. Der imposante, ringsum von Übersetzerkabinen eingefasste Raum bietet unter seinem gläsernen Dach Platz für 40 Richter und 280 Zuschauer. Zusätzlich betont wird die Bedeutung des Gerichtssaales durch eine riesige Deckenabhängung aus golden schimmerndem Metallgewebe, die Perrault nach eigenen Plänen fertigen ließ. Der goldene Baldachin wirkt auf den ersten Blick etwas prätentiös, bietet letztlich aber einen gelungenen Kontrast zur nüchternen Funktionalität der vorhandenen Architektur.
Goldene Zwillingstürme
Komplettiert wird das großflächige Ensemble durch die beiden Hochhausscheiben, die nordöstlich angrenzend an den Bestand über eine 270 Meter lange, unterhalb des zentralen Plateaus gelegene Galeriezeile erschlossen werden. Bei der Fassadengestaltung der extrem schlanken Türme griff Dominique Perrault erneut auf die Farbe Gold zurück und fügte ein goldeloxiertes Aluminiumgewebe als Sonnenschutz zwischen die Glasscheiben der Fenster ein. Mehr Gold geht nicht! Aber schließlich geht in den beiden Türmen ja auch Wichtiges vor sich. Denn hier liegen die Büros für die Übersetzer des Europäischen Gerichtshofes. Und die haben rund um die Uhr zu tun. Denn nach den zahlreichen Erweiterungen der EU müssen die Texte inzwischen in 27 unterschiedliche Landessprachen übersetzt werden. Werden es demnächst trotz der aktuellen Probleme in der Union noch mehr, dann wird sicher bald die nächste Erweiterung des Gebäudekomplexes angedacht werden müssen. Fortsetzung folgt also.
Administration des Batiments Publics und Europäischer Gerichtshof, Luxemburg
Dominique Perrault Architecture, Paris/F mit Paczowski & Fritsch
Fertigstellung: 12/2008
BGF: 150.000 m² (inkl. Bestand)





House and Garden Design
very nice
vor 8 Monaten 1 Woche 6 Tagen