Erick van Egeraat - Sberbank Privatuniversität - Moskau


Die Kolonade schafft eine fließende Verbindung sämtlicher Funktionen. © Erick van Egeraat 

Angrenzend an die Kolonade entsteht eine abwechslungsreiche Gebäudelandschaft. © Erick van Egeraat 

Unter der schleifenförmig auslaufenden Kolonade entstehen zwei öffentliche Plätze. © Erick van Egera

Aus der Vogelperspektive werden Lage und Anordnung des Campus deutlich. © Erick van Egeraat
Der Rotterdamer Architekt Erick van Egeraat nutzt seit 15 Jahren die Möglichkeit, auf dem osteuropäischen Markt Fuß zu fassen: Nachdem Egeraat 1995 beim Delfter Büro Mecanoo ausgestiegen war, gründete er neben einer Niederlassung in London gleich auch noch drei Dependancen in Prag, Budapest und Moskau. Bis heute hat der Niederländer Egeraat eine Vielzahl von Projekten realisiert – darunter das ING-Gebäude in Budapest oder die Niederländische Botschaft in Warschau. Zuletzt hatte der Architekt vor allem in Russland großen Erfolg. Sein üppiger, bisweilen ornamentaler Stil, den er selbst gerne „Modern Baroque“ nennt, scheint also genau den Geschmack der dortigen Investoren zu treffen.
Russische Privat-Uni
Erick van Egeraat musste Anfang 2009 vorübergehend Insolvenz anmelden, weil einige seiner russischen Auftraggeber in den Strudel der weltweiten Finanzkrise geraten waren, inzwischen führt er aber seine Arbeit unter dem neuem Namen „(designed by) Erick van Egeraat“ weiter. Zu seinen jüngsten Projekten zählt der Neubau eines Universitäts-Campus für die russische Sberbank (Sparbank) im Westen von Moskau. Ab dem Frühjahr 2012 sollen hier die Angestellten der mit rund 250.000 Mitarbeitern größten russischen Bank Fortbildungsseminare oder Trainingsmaßnahmen besuchen können. Auf einer Fläche von 32.000 Quadratmetern entstehen dazu Studienräume und Konferenzhallen, Sportanlagen sowie Wohnheime und Wohnungen für Gastprofessoren und fest angestellte Pädagogen.
Multifunktionales Rückgrat
Der Standort der neuen Sberbank-Universität liegt mitten in einem großflächigen Waldgebiet unweit der Autobahn Novorizhkoye, die Moskau mit dem Baltikum verbindet. Ausgehend von der reizvollen Lage des Grundstücks am nördlichen Ufer der Istra hat Erick van Egeraat den parallel zum Fluss verlaufenden Campus in Form einer Kolonnade entwickelt. Wie an einer Perlenschnur sind dort die Gebäude mit unterschiedlichen Funktionen aneinandergereiht: Im Erdgeschoss sollen Cafés und Lounges zum Flanieren einladen, darüber und unmittelbar angrenzend sind zwei- bis dreigeschossige Gebäudecluster zum Wohnen, Studieren und Sporttreiben vorgesehen, die über frei tragende Brücken miteinander verbunden werden.
Anders als bei anderen seiner jüngeren Projekte hat Egeraat sich bei der Planung des Moskauer Universitätscampus für eine eher modernistische Architektursprache entschieden. Die Visualisierungen zeigen eine abwechslungsreich gestaltete und durch offene Grünräume ergänzte Gebäudelandschaft mit betont horizontaler Architektur, mit durchgehend verglasten Fassaden, weit auskragenden Geschossdecken und begrünten Flachdächern. Ein weiteres Detail sind die beiden schleifenförmig auslaufenden und als öffentliche Plätze gestalteten Enden der Kolonnade. Wer will, der kann in der Anlage laufen, ohne jemals wenden zu müssen. Eine Art Rennstrecke für angehende Banker also, wenn man so will.
Sberbank, Moskau
Erick van Egeraat, Rotterdam
Fertigstellung: voraussichtlich 2012
BGF: 32.000 m²




