Herzog & de Meuron - Laban Dance Center - London


Eingang des Laban Dance Centers © Chouca (wikipedia)

Laban Dance Centre - Transparenz, Farbigkeit und Farbspiel © Jon Geib / flickr member J0N6

Laban Dance Centre - geschwungener Baukörper © Jon Geib / flickr member J0N6

Laban Dance Centre - transparente Polycarbonatelemente © Jon Geib / flickr member J0N6

Laban Dance Centre - transparente Fassade © Jon Geib / flickr member J0N6

Fassadenausschnitt mit farbigen Polycarbonatelementen © Jon Geib / flickr member J0N6

Laban Dance Centre - dezente Fassade © Jon Geib / flickr member J0N6

Laban Dance Centre - großzügige Fenster © Jon Geib / flickr member J0N6

Laban Dance Centre - Fassadenansicht © Jon Geib / flickr member J0N6

Laban Dance Centre - Detail Fassade © Jon Geib / flickr member J0N6

Laban Dance Centre - Fassadenausschnitt © Jon Geib / flickr member J0N6

Laban Dance Centre - Fassadenansicht © Jon Geib / flickr member J0N6

Laban Dance Centre - Farbspiel auch im Innenraum © Jon Geib / flickr member J0N6
Der ungarische Tänzer, Choreograf und Tanztheoretiker Rudolph von Laban gilt als einer der bedeutendsten Begründer des Ausdruckstanzes. Basierend auf seiner Philosophie wurde Ende der 40er Jahre das Zentrum für zeitgenössischen Tanz gegründet. 1997 wurde das Zentrum in Laban Dance Centre umbenannt und ein neuer Bau geplant. Die Architektur des neuen Gebäudes sollte in der Ausdrucksstärke und Leidenschaft den Tänzern in nichts nachstehen, so war das Ziel. In der Planung wurden darum Elemente der fließenden Körperbewegungen aufgegriffen und mit den Mitteln der Architektur umgesetzt, um in einem elegant geschwungenen Kubus die Leichtigkeit einer Tänzerin erscheinen zu lassen.
Schwierige Ausgangslage für Architekten
Im Februar 2003 öffnete das Gebäude der Baseler Architekten Herzog & de Meuron in Southeast London, genauer gesagt, im Stadtteil Deptford, seine Pforten. Geprägt ist dieses alte Gewerbegebiet von überdurchschnittlicher Arbeitslosigkeit und sozialer Armut.
Das Grundstück, auf dem heute das Dance Center steht, war eine ehemalige Müllhalde umringt von heruntergekommenen Baracken. Es war für die Architekten eine Herausforderung, wie Harry Gugger, Partner im Büro Herzog & Meuron, beschreibt: „Als wir uns das Gebiet anschauten, wussten wir zuerst nicht, wie wir reagieren sollten.“ Hinzu kamen hohe Erwartungen seitens der Behörden, da das Vorhaben größtenteils aus öffentlicher Hand finanziert werden sollte.
Man hatte dem neuen Projekt gegenüber dieselbe Erwartungshaltung wie beim 1997 fertiggestellten Guggenheim-Museum in der nordspanischen Stadt Bilbao. Dort erhielt der Ort durch das spektakuläre Museums-Gebäude einen neuen Aufschwung. Die geplante Laban-Tanzschule sollte nun auch Deptford einen„Bilbao-Effekt“ bringen und dem negativ behafteten Ort neue Impulse geben.
Aufsehenerregende Umsetzung
Der hallenartige Baukörper liegt, wie viele der alten Lagerhäuser in der Nachbarschaft, am Fluss. Er weicht aber von der klassisch rechteckigen Form ab und öffnet sich zur 300 Meter entfernten Barockkirche St. Paul durch eine einladende Bewegung. Dadurch entstand unmittelbar vor dem Gebäude ein großer öffentlicher Raum, der im Sommer für Freilichtaufführungen genutzt werden kann und die Umgebung nicht nur architektonisch aufwertet.
Das lichtdurchflutete Volumen des Laban Dance Centers setzt einen Akzent zwischen den umliegenden Backstein- und Wellblechbauten. Das Gebäude verdankt diese Lichtdurchlässigkeit und die damit erzeugte Farbstimmung seiner Fassade aus Polycarbonat. Der transluzente Werkstoff ermöglicht es, nachts die schimmernden Silhouetten der Tänzer zu beobachten. Somit entstand der konkrete Bezug zwischen dem was sich im Inneren des Gebäudes abspielt und der Außenwelt. Der teilweise mit vertikalen Streifen versehene Baukörper bringt mit einem kräftigen Türkis, Grün und Magentarot Farbe in das triste Stadtgefüge.
Für die Farbgestaltung, das wesentliche Kennzeichen des Gebäudes, war der Künstler Michael Craig-Martin zuständig. Er blieb seinem Grundsatz treu und schreckte nicht davor zurück, das Bauwerk in ein leuchtendes Farbspiel zu tauchen.
Viel Inhalt auf wenig Fläche
Das Londoner Laban Centre gilt mit rund 7800 Quadratmetern als weltweit größte Ausbildungsstätte für zeitgenössischen Tanz. Im Zentrum steht das Auditorium mit der größten Tanzbühne des Landes, die Platz für rund 300 Personen bietet. Um diesen zentralen Raum sind dreizehn Probe- und Schulungsräume für Tänzer, Choreographen und Tanzlehrer angeordnet.
Die Tanzstudios unterscheiden sich in Grundriss und Raumhöhe. Gestalterisch setzen sich die Studios durch ihre farbliche Zurückhaltung vom Rest des Gebäudes ab. Während die Erschließungszonen farblich an der Außenfassade angelehnt sind, also kräftige Farbtöne haben, halten sich die Übungssäle zurück. Sie sind auf oberflächenbelassene Baumaterialien reduziert und geben den Tänzern die Chance, den Raum mit Leben und Farbe zu füllen.
Neben dem professionellen Training werden in den Studios auch Kurse für Laien angeboten. So wird das Laban Dance Center aktiv ins allgemeine Geschehen eingebunden. Die Cafeteria, ein zentrales Element des Gebäudes, ist der Öffentlichkeit zugänglich.
Heute sind die anfänglichen Schwierigkeiten nicht mehr vorstellbar. Herzog & de Meuron haben es geschafft, den Ort mit neuer Leidenschaft zu füllen. Den legendären „Bilbao-Effekt“ konnte das Bauwerk zwar nicht erreichen, aber für den benachteiligten Ort im Südosten von London ist das Bauwerk in jeder Hinsicht ein „Lichtblick“. Es gab dem Ort neuen Auftrieb und bewies, dass auch in einer vernachlässigten Gegend Raum für Kunst und Kultur ist.
Herzog & de Meuron
Fertigstellung: 2003







