Hille Architekten / Franken Architekten - Brauhaus Goldener Engel KG - Ingelheim


Sakral mutet das Brauhaus in seiner Architektursprache an © Jens Willebrandt

Von außen prägen die unterschiedlichen vertikalen Fensterschlitze das Gebäude © Jens Willebrandt

Nachts wirkt die Inszenierung der Kessel im zweigeschossigen Luftraum besonders © Jens Willebrandt

Die zentrale Terrasse öffnet sich Richtung Westen der Abendsonne entgegen © Jens Willebrandt

Die rauen Natursteinwände im Inneren kontrastieren mit den glatten Putzflächen © Jens Willebrandt

Alle Stationen des Brauprozesses sind für die Besucher erlebbar © Jens Willebrandt
Ingelheim am Rhein gehört zum Landkreis Mainz-Bingen und ist mit seinen rund 200 000 Einwohnern eigentlich als Rotwein-Stadt bekannt. Am östlichen Stadteingang, zwischen Fitnessklub und Mc Donald’s, ist man überrascht über das sakral anmutende Gebäude. Das Brauhaus Goldener Engel, entworfen von der AG Hille / Franken Architekten, hat sich der Brautradition voll und ganz verschrieben und sie zum zentralen Thema erhoben. Nur so lässt sich erklären, warum die Architektur fern von allem Bierseeligen liegt, das man gemeinhin kennt.
Schon das auf der anderen Rheinseite gelegene Zisterzienserkloster Eberbach, das u. a. durch die Verfilmung Umberto Ecos Roman „Der Name der Rose“ Weltruhm erlangte, verfügte über ein aus der Barockzeit stammendes Brauhaus. Mit seinem auf zwei soliden Mittelpfeilern lastenden Kreuzgratgewölbe ruft es eher Assoziationen an ein Kirchenschiff als an eine Fabrikationsstätte hervor.
Fassadenpartitur
Von außen prägen die schmalen, zum Teil zweigeschossigen vertikalen Fensterschlitze das Gebäude. Als Zitat an die typische Bauweise in Ingelheim und Umgebung sind sie von massiven Gewänden eingefasst. Die Variationen in der Wandgestaltung aus vollflächiger Geschlossenheit über Bereiche mit Lochfassade und Säulenarkade bauen eine „erzählerische Geometrie“ auf und spielen mit Licht und Schatten. Die Architekten legen dem Betrachter die Interpretation der Fassade als Partitur eines Musikstückes nah, in der die Tonhöhe durch die Schlitzhöhe, die Tonlänge durch die Schlitzbreite und der Rhythmus durch die Schlitzabstände definiert wird. Und schließen den Kreis zu antiken Tempeln und deren Säulenordnung. Hoch gegriffen für ein Brauhaus und doch scheint etwas dran zu sein an dessen besonderer Wirkung. Vor allem bei Nacht, wenn die kupfernen Sudkessel im zweigeschossigen Luftraum wie einem Altar vergleichbar in den Mittelpunkt der Blicke gerückt werden.
Erlebnisgastronomie ganz anders
Das Raumprogramm des Brauhauses legt sich V-förmig in einem kontinuierlichen Fassadenband um einen Innenhof. Die beiden Schenkel des Vs umschließen den geschützten und sich nach Westen zur Abendsonne hin öffnenden Innenhof. Im Südflügel befinden sich Bar und Lounge im Erdgeschoss sowie eine Galerie im Obergeschoss, gruppiert um die Braukessel. Alle Stationen des Brauprozesses, von der Malzmühle auf der Galerieebene über das Sudhaus, die Lagerkessel bis zum Zapfhahn, sind für die Besucher erlebbar. Im Nordflügel ist ein großer Festsaal untergebracht. Der Ausschank ist als eigenständiger Baukörper in Verlängerung des Südflügels konzipiert. Von hier aus können 800 Personen bedient werden. Neun große Linden schließen das Ensemble nach Westen hin ab und rahmen zusammen mit dem Hauptgebäude Biergarten und Terrasse ein. Im Übergangsbereich zwischen öffentlicher Straße, Brauhaus und Biergarten wird großflächig Hopfen als traditionelles Element angepflanzt. Zur Bierherstellung dürfen nach dem Deutschen Reinheitsgebot aus dem Jahr 1516 nur Wasser, Malz, Hopfen und Hefe verwendet werden. Durch verschiedene Malzsorten und Herstellungsprozessen können aber eine unendliche Vielzahl von verschiedenen Biersorten hergestellt werden. Na dann, wir sehen uns bei einem davon auf der Terrasse in der Abendsonne!
Brauhaus Goldener Engel KG, Ingelheim
Hille Architekten, Ingelheim in Arbeitsgemeinschaft mit Franken Architekten, Frankfurt
Fertigstellung: 2007
BGF: 1 200 m²








sieht eher aus wie ein gigantischer lesetempel. eine 24stundenbibliothek bei freiem eintrtt, biobuffet und fruchtsmoothybar.