J. Mayer H. Architekten, a2o-architecten, Lens°Ass architects - Gerichtshof in Hasselt - Hasselt


Nordseite des neuen Gerichtshofes in Hasselt. © J. Mayer H. Architekten

In Richtung Süden grenzt der Neubau direkt an die Bahnlinie. © J. Mayer H. Architekten

Die vorgehängte Hülle besteht aus Holz, Glas und Stahlgewebe. © LENS°ASS architecten bv bvba

Kontrastreiche Materialcollage aus Glas, Holz und Stahlgewebe. © LENS°ASS architecten bv bvba
Im Mittelalter gab es in vielen Regionen Europas „Gerichtsbäume“, unter denen regelmäßig Gericht gehalten wurde. Neben der Linde war dabei insbesondere die Eiche bedeutsam, die nach der germanischen Mythologie als „weiser Vaterbaum“ galt. Im belgischen Hasselt taucht das alte Symbol jetzt in moderner Fassung wieder auf. Nicht als Linde, nicht als Eiche, sondern als eigentümlich geschwungener Gebäudekomplex aus Stahl und Glas.
Modernes Mittelalter
Der Entwurf des neuen Gerichtshofs der Stadt Hasselt stammt vom Berliner Architekten J. Mayer H. in Zusammenarbeit mit den belgischen Büros a2o-architecten und Lens°Ass architects. Der Bau setzt sich aus einem mehrfach eingeschnittenen sechsgeschossigen Sockel und einer darüber aufsteigenden, insgesamt 15 Geschosse hohen „Baumstruktur“ zusammen. Ersterer nimmt Büros, Konferenzräume und eine Bibliothek für das Gericht und die Universität Hasselt auf, im oberen Bereich sind die administrativen Dienste angesiedelt. Komplettiert wird das Raumangebot durch ein unterirdisches Archiv sowie durch eine Tiefgarage.
Fassaden-Design im Retro-Look
Das ungewöhnliche Neubauprojekt ist Teil eines städtebaulichen Masterplans, den das Rotterdamer Büro West 8 zur Revitalisierung und Belebung des Bahnhofsviertels von Hasselt vorgelegt hat. Seine Funktion als Gerichtsgebäude und seine innere Struktur sind jedoch von außen bestenfalls zu erahnen, da die einzelnen Ebenen in weiten Teilen von einem kurvigen Fassaden-Design mit großen Flächen aus Stahlgewebe und Glas umhüllt sind. Auf den ersten Blick erscheint der Neubau daher als abstrakte organische Skulptur mit deutlichen Retro-Anklängen an die 1960er- und 1970er-Jahre.
Strategie der Tarnung
Zwischen den einzelnen Fassadenfeldern aus Glas und Stahlgewebe täuscht ein astartig aufgebautes Holzskelett die Tragstruktur des Gebäudes vor, gibt sich dann aber bei näherem Hinsehen als schlichtes Ornament zu erkennen. Neben der Assoziation eines Gerichtsbaumes stand im Entwurf auch der Baum im Stadtwappen de Stadt Hasselt Pate. Der Stadtname leitet sich nämlich von „Hasaluth“ ab, was soviel heißt wie: „Platz, an dem die Haselnussbäume stehen“.
Hinter der äußeren Fassadenschicht wurde eine durchgehende Hülle aus Glas integriert, die für einen hohen thermischen Komfort im Innenbereich sorgen soll. Einem Puristen werden sich bei so viel Symbolik die Nackenhaare krausen, denn man könnte mit einigem Recht auf die Einhaltung konstruktiver Ehrlichkeit bestehen. J. Mayer H. setzt dem seine Strategie der Tarnung und kunstvollen Verschlüsselung entgegen. Mit Ehrlichkeit alleine kann sich diese Welt nicht behaupten, manchmal braucht es eben auch eine Dosis Illusion.
Stationsomgeving NV Hasselt
J. Mayer H. Architekten, Berlin
a2o-architecten, Hasselt
Lensºass architecten, Hasselt
Fertigstellung: voraussichtlich 2012
BGF: 21.600 m²




