Junk&Reich, Hartmann+Helm - Studentenwohnheim Dresden - Dresden


Die Südfassade mit den Studiererkern © Junk & Reich

Blick auf das Wohnheim von Nordosten © Junk & Reich

Eines von 150 Einzelappartements von innen © Junk & Reich

Der Küchenbereich eines Mehrzimmerappartements © Junk & Reich

Sanitärbereich eines Einzelappartements mit Glasfuge, die für natürliches Licht sorgt © Junk & Reich
Wohnen in Campusnähe
In den 80er Jahren wurde ganz in der Nähe des Campusgeländes der Dresdner Hochschule ein Hochhauskomplex in Plattenbauweise errichtet. Drei Gebäude á 17 Geschosse boten hier seit DDR Zeiten einen Wohnraum für Lernwillige. Als zweites von drei Hochhäusern wurde im Jahr 2007 das Wohnheim in der Hochschulstraße 46 komplett saniert und modernisiert. Für dieses Projekt wurde in einer Ausschreibung das Team aus den Architekten Junk & Reich und Hartmann + Helm ausgewählt, die schon bei mehreren Projekten zusammenarbeiteten.
Was tun mit der Platte?
Die Städte der neuen Bundesländer wollen attraktiv für Touristen und Studenten sein, da passen die grauen und tristen Plattenbauten aus den 70ern und 80ern nicht mehr ins Stadtbild. Gleichzeitig ist „die Platte“ in den letzten Jahren gerade für junge Leute immer attraktiver geworden. Nicht nur „Ostalgiker“ schätzen die kommunikative Atmosphäre, das Retro-Gefühl und, nicht zuletzt, den preiswerten Wohnraum der Plattenbauten.
Um zwischen diesen Standpunkten einen Kompromiss zu schaffen, wurden in den letzten Jahren immer mehr Plattenbauten saniert und modernisiert. Statt die alten Gebäude abzureißen oder etwa abzubauen und in osteuropäische Länder zu verkaufen, wie es beispielsweise mit einigen Plattenbauten aus Berlin getan wurde, werden sie nun zu neuen Schmuckstücken der Städte. Nicht zuletzt ist die Sanierung und Umgestaltung älterer Gebäude eine Frage nachhaltiger Stadtgestaltung. Die Bausubstanz kann erhalten werden und trotzdem entsprechen die Gebäude nach der Sanierung aktuellen energetischen Standards.
Nun wurden auch in Dresden mehrere Studentenwohnheime in Plattenbaubauweise saniert.Die Hochhäuser wurden durch Farbakzente aufgefrischt und mitunter auch in der Bauform so verändert, dass sie heute nicht nur für „Plattenliebhaber“ reizvoll sind.
Alles muss raus
Das Wohnheim in der Hochschulstraße 46 reiht sich in eine ganze Gruppe von Sanierungsprojekten ein. Nur etwas mehr als 7 Monate gab der Bauherr, das Dresdner Studentenwerk, den Architekten Zeit, um den 52 Meter hohen Plattenbau aus den 80ern zu einem modernen Studentenwohnheim, zweckmäßig aber keineswegs langweilig, zu wandeln.
Zu Beginn der Bauarbeiten im Februar 2007 wurde zunächst entrümpelt. Die gesamte Originaleinrichtung des Wohnheims wurde entsorgt. Auch einige nicht tragende Wände sowie der Versorgungsschacht verschwanden in dieser Phase aus dem Plattenbau. Die Tragstruktur des Gebäudes in Querwandbauweise, und somit die Statik, wurde dabei aber nicht verändert. Im Zuge der Sanierung entstand dann auf 13.352 Quadratmetern Bruttogesamtfläche Wohnraum für 313 Studierende. 150 Einzelappartements, 32 Zweierappartements und 33 Dreierappartements wurden auf den 17 Geschossen neu geschaffen. Die Wohneinheiten wurden durch Einbaumöbel strukturiert, wobei das Bett und der Schreibtisch von den Studenten individuell gestellt werden können. In den Einzelappartements werden die Badezimmer durch eine Glasfuge, die in die Schrankwand eingelassen ist, mit natürlichem Licht versorgt.
Eine gute Studieratmosphäre
Nicht nur die Wohneinheiten wurden überholt. Vor allem Wärme- und Schalldämmung waren in der bau- und haustechnischen Generalrenovierung wichtige Punkte. Vor die Bestandsfassade wurde eine gedämmte, hinterlüftete Metallfassade gehängt, die zum einen dem Wärme- und Schallschutz dient, zum anderen aber auch Schäden an der alten Fassade bedeckt und ausbessert. Gefertigt wurde Metallfassade von der Dach Schneider Weimar GmbH.
Natürlich wurden auch die Außenfenster aus den 80ern gegen neue Aluminiumfenster mit guten Dämmeigenschaften ausgetauscht. Die für Plattenbauten typischen Loggien wurden geschlossen, wodurch zusätzlicher Wohnraum entstand, der in die geänderten Grundrisse der Wohneinheiten integriert werden konnte.
Erker statt Loggia
Zwar stehen den Studenten nun keine Loggias mehr zur Verfügung, dafür wurden an 8 Zimmern an der Südfassade sogenannte „Studiererker“ angebracht. Die quadratischen Vorsprünge sind mit einer großen Glasfront ausgestattet und bieten den Studenten zusätzlichen, lichtdurchfluteten Raum zum Lesen und Lernen. Außerdem dienen die Erker als besonderes Gestaltungselement an der Fassade. Die roten Quadrate lockern die in dunkelgrau gehaltene Südfront auf und bilden gemeinsam mit den hellen, etwas von der Fassade zurückgesetzten Fensterbändern einen geschickten Kontrast zu den dunklen Aluminiumplatten der Fassade. Keck ragen die Erker aus der Fassade und lassen das Betongrau der 80er ein für alle Mal verschwinden.
Die Sanierung des Studentenwohnheims löst die städtebauliche Frage nach der Plattenbaulösung auf clevere und interessante Weise. Das Projekt ist ein Beispiel dafür, wie gerade bei Studentenwohnheimen der ehrliche und direkte Charme der Plattenbauten bewahrt werden kann, ohne dass die Stadt mit den grauen Betonriesen durchzogen bleibt.
Studentenwerk Dresden, Gesellschaft des öffentlichen Rechts
Junk & Reich, Hartmann + Helm
2007 fertiggestellt
HNF: 9.688m²
BGF: 13.352m²







