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Von Bierkisten zur preisgekrönten Architektur

Karo Architekten - Lesezeichen Salbke - Magdeburg, Salbke

  • Lesezeichen Salbke Fest von oben 2009  © Karo ArchitektenLesezeichen Salbke Fest von oben 2009  © Karo ArchitektenLesezeichen Salbke Fest von oben 2009  © Karo ArchitektenLesezeichen Salbke Fest von oben 2009 © Karo Architekten
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Was entsteht, wenn ein Bürgerverein, ein Architektenteam, 1.000 leere Bierkisten, eine alte Kaufhausfassade und 20.000 Bücher aufeinander treffen?

Die Freiluftbibliothek „Lesezeichen Salbke“ in Magdeburg ist, wie der Name schon sagt, keine Bibliothek in geschlossenen Räumen. Man könnte sie stattdessen als eine Bibliothek des Vertrauens bezeichnen, Denn die Bücher sind für jeden zugänglich, rund um die Uhr ausleihbar und ohne Leihschein erhältlich. Der dazugehörige öffentliche Platz dient nicht nur zum Lesen, sondern auch als allgemeiner Treffpunkt für die Bewohner des Stadtteils Salbke.

Bibliothek auf Probe

Die Realisierung des Projektes ist dem dreiköpfigen Team des Architekturbüros Karo* Architekten zu verdanken. 2005 fand unter dem Titel „Stadt auf Probe“ ein öffentlicher Workshop statt. Der favorisierte Entwurf für die Bibliothek wurde in einem Modell im Maßstab 1:1 aufgebaut, um die Alltagstauglichkeit zu testen. Für das Improvisationsprojekt wurden 1.000 Bierkisten verbaut, die von einem Getränkehändler gesponsert wurden. Nach zwei Tagen musste die temporäre, mit Buchspenden bestückte Bibliothek wieder abgebaut werden. Doch die Bürger entwickelten das Projekt begeistert weiter. Durch immer weitere Spenden ist der Bestand der Bibliothek auf mittlerweile 30.000 Bücher angewachsen.

Das enorme Engagement der Bürger kam daher, weil es seit dem Brand der Ortsbücherei in den 80er Jahren keine Möglichkeit mehr gab, Bücher auszuleihen. 2006 wurde das Projekt schließlich in ein ExWoSt-Forschungsprojekt des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung aufgenommen. Somit war die Realisierung einer dauerhaften Freiluftbibliothek finanziell gesichert.

Frischer Wind für das ehemalige Brachgebiet

Das Grundstück, auf dem die Bibliothek steht, befindet sich im Zentrum von Salbke, einem Stadtteil Magdeburgs. Zu Gründerzeiten entstanden hier große Industriegebiete, die in den 90er Jahren nach und nach aus der Nutzung gefallen sind. Die Folge waren Arbeitslosigkeit und leerstehende Häuser. Wo einst Metzger, Bäcker, Elektroladen und Eisdiele die Straße säumten, stehen nun 80 Prozent der Gebäude leer. Nicht nur der wirtschaftliche Wandel, sondern auch der Niedergang der DDR und der Großbrand der Bibliothek führte die Stadt zum Verlust seiner kulturellen Mitte. Die strategische Lage der Brachfläche und ihr Erinnerungswert als frühere Bibliothek erschienen deshalb als besonders geeignet, einen Erneuerungsprozess in Gang zu setzen.

Ehemalige Kaufhausfassade als recyclebares Material

Zur Straße hin markiert eine Wabenfassade das Projekt, während sich das „grüne Wohnzimmer“ mit seiner „Grünfläche“ und vielen Sitzgelegenheiten von der Straße abwendet. Im Zentrum der Idee stand der Wunsch der Bürger, recyclebares Material zu verwenden. Dadurch entstand die außergewöhnliche Fassade aus Aluminiumformteilen, die von einem bereits abgerissenen Kaufhaus der 60er Jahre stammen, nämlich von einem Kaufhaus der Horten-Serie. Die damaligen Architekten waren Rhode Kellermann Wawrowski.

Die Stadtverwaltung Hamm, die im Besitz der Fassade war, unterstütze das soziale Projekt der Freiluftbibliothek und verkaufte die Fassade zu einem günstigen Preis. Eine Materialprüfung von der obersten Bauaufsichtsbehörde war für die Konstruktion erforderlich, denn für die fast fünfzig Jahre alte Fassade lag kein Bauteilzertifikat vor. Glücklicherweise war die Fassade statisch in tadellosem Zustand.

In die Außenfassade wurden Vitrinen aus Aluminium und VSG Glas eingebaut, sie dienen als Infoboards für Bekanntmachungen von Vereinen der Stadt. Der hohe Sockel aus Stahlbeton-Fertigteilen ist mit Graffiti-Tags verziert. Die urbanen Kunstwerke entstanden bei einem Wettbewerb, bei dem alle Jugendlichen der Stadt ihr Talent im „taggen“ unter Beweis stellen durften. Die besten Schriften wurden in den Farben Weiß, Schwarz und Chrom von den Gewinnern selbst an den Sockel gemalt.

Zur Straßenseite hin wird die Fassade von zwei weiteren, großen, grünen Vitrinen aus VSG -Glasscheiben unterbrochen. Dahinter befinden sich sogenannte Leseinseln mit Sitznischen aus Holz. Für die Innenseite der Fassade, sowie für die an der Fassadeninnenseite entlanglaufenden, 30 Meter langen Sitzbank wurde das Material Lärchenholz verwendet.

Zahlreiche Preise für die Architekten

Das Lesezeichen Salbke zeichnet sich durch seine soziale Funktion aus und bringt wieder frischen Wind in das von vielen brachliegenden Grundstück gezeichnete Stadtgebiet. Das zukunftsfähige und nachhaltige Konzept des Architektenteams Karo* wurde nicht nur national, sondern auch international gezeigt, etwa bei Ausstellungen wie „Find the Gap“ zum 25- jährigen Jubi­lä­um der Ber­lin­er Archi­tek­tur­galerie Ae­des und zur 11. Inter­nation­alen Archi­tek­tur-Bien­nale im Deut­schen Pavil­lon in Ve­ne­dig und es gewann bereits zahlreiche Preise.

Die Erfolgsgeschichte von Karo* Architekten geht weiter: Das eher kleine Leipziger Architekturbüro wurde mit dem renommierten Preis des „Brit Insur­ance De­sign Award – Ka­te­go­rie Archi­tek­tur“ ausgezeichnet, an dem auch Architektenstars wie Herzog & De Meuron und Skidmore, Owings and Merrill aus Chicago teilnahmen.

 

Bauherr: Gemeinde Magdeburg
Architekt: Karo Architekten
Status: Fertigstellung: 2008
Am Projekt beteiligte Unternehmen:
GRAPHISOFT ist ein weltweit führender Hersteller von Architektursoftware, der seine Produkte in über 100 Ländern und 25 Sprachversionen rund um den Globus vertreibt. Seit 30 Jahren entwickelt GRAPHISOFT in der größten CAD-Entwicklungsabteilung Produkte für den Planungsprozess, mit denen inzwischen weltweit über 100.000 Anwender arbeiten. Seit 2007 operiert GRAPHISOFT unter dem Dach der Nemetschek Gruppe.

Mit ARCHICAD brachte GRAPHISOFT die erste modellbasierte 3D-Architektursoftware, d.h. die erste BIM-Software auf den Markt, die die Arbeitsweise und Kommunikation von Architekten und Planern nachhaltig verändert hat und bis heute entscheidend optimiert.

Produktkategorie: Architektursoftware
Hersteller: Graphisoft
Homepage: www.graphisoft.de
Ansprechpartner: mail@graphisoft.de

 

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