Kleine Metz Architekten - Deutsche Botschaft Warschau - Warschau


Die Architekten setzen in der Gestaltung auf vielfältige Kontraste. © Hanns Joosten

Die Kanzleibüros schweben in einem schimmernden, t-förmigen Bauteil über dem Sockel. © Hanns Joosten

Kleine Metz Architekten setzen auf Bescheidenheit und Offenheit. © Hanns Joosten

Die Volumen greifen ineinander, überlagern sich und bilden ein komplexes Gebäude. © Hanns Joosten

Auffälligstes Merkmal der Botschaft sind die grün pigmentierten Betonfertigteile. © Hanns Joosten

Die abgerundeten Ecken sollen die Dynamik des Gebäudes betonen. © Hanns Joosten

Die Architekten setzen auf ein ironisches Spiel zwischen Natur und Imitat. © Hanns Joosten

Weißzement und kobaltblaue Pigmente geben dem Beton seine starke Farbigkeit. © Hanns Joosten

Das Efeumotiv basiert auf dem echten, an der Fassade empor rankenden Gewächs. © Hanns Joosten
Nach jahrelanger provisorischer Unterbringung wurde die neue deutsche Botschaft in Warschau 2009 fertig gestellt. Neben dem Wunsch nach einer festen Adresse spielte auch der Wunsch nach einer angemessenen Repräsentation eine Rolle. Die Bundesrepublik erwarb zu diesem Zweck ein parkähnliches Grundstück in der Nähe des polnischen Parlaments.
Aufgrund der doch schwierigen Geschichte der deutsch-polnischen Beziehung, setzten Kleine Metz Architekten beim Entwurf weniger auf eine monumentale oder imposante Gestaltung, sondern eher auf die Prinzipien von Bescheidenheit und Offenheit.
Der Architekt Holger Kleine bezeichnet die Grenze zwischen Natürlichkeit und Künstlichkeit als einen wichtigen, den Entwurf bestimmenden Aspekt. Das Gebäude ist für ihn ein „gebautes Gespräch“ zwischen kontrastierenden Elementen – beispielsweise von Gebundenheit und Freiheit, Festigkeit und Beweglichkeit, Nüchternheit und Poesie, um nur ein paar der zahlreichen Beispiele zu nennen.
Aus drei mach eins
Der Gebäudekomplex der deutschen Botschaft gliedert sich funktional in drei Gebäudeteile, welche sich auch durch die Gestaltung der Fassaden unterscheiden.
Das Konsulat befindet sich in einem kompakten Sockel mit einer schwarzen Fassade aus geflammtem Naturstein. Die Fassade findet ihre Fortsetzung in einer Mauer, die im Garten einen weiten Bogen aufspannt. Entlang dieser Mauer gibt es einen mit Rosen flankierten Weg auf die Dachterrasse, die einen wunderbaren Blick auf Warschau bietet.
Die amtliche Residenz ist wie das Konsulat ein Bestandteil der Sockelzone. Im Erdgeschoss greift die Residenz ausladend in den Park hinein und schafft so private Raumzonen. In der gleichen Formsprache wächst aus dem Erdgeschoss die Privatresidenz heraus, welche als kleiner, turmartiger Bauteil in Erscheinung tritt. Überzogen wird das Ganze mit grün gefärbten Betonfertigteilen, die das natürliche Grün des Parks in gebauter Form aufgreifen.
Die Kanzleibüros befinden sich in einem auf den Sockel gesetzten, t-förmigen Gebäudeteil. Durch seine Fassadengliederung mit homogenen Fensterbändern wirkt das Kanzleibüro viel strenger, als die darunter liegenden Gebäudeteile. Die schimmernde Fassade aus strukturiertem, milchigem Glas kontrastiert die dunklen, opaken Oberflächen des Konsulats. Die schimmernde Fassade soll bei Sonnenlicht einer Seeoberfläche ähneln.
Grünes Blätterkleid
Die grünen Betonfertigteile stellen das auffälligste Element des Gebäudes dar. Als dekoratives Element besitzen sie ein Efeu-Relief, das den an der Fassade wachsenden, echten Efeu imitieren soll. Hier geht es vor allem um das Spiel zwischen Natur und imitierter Natürlichkeit. Vor allem im Laufe der Jahreszeiten soll sich durch die fallenden Blätter das Verhältnis zwischen der Natur und ihrem Abbild stetig wandeln.
Die Architekten erstellten zunächst aus einem Foto mit Efeublättern eine 3D-Zeichnung, die dann mit Hilfe einer CNC-Fräse in ein Relief aus Uriol, einem Werkstoff aus Epoxidharz, übertragen wurde. Dieses Relief diente dann als Positivform für die Schalungsmatrizen, mit Hilfe derer insgesamt 1600 m² Fertigteile gegossen wurden.
Die starke Farbigkeit des Betons wurde durch Weißzement sowie durch einen hohen Anteil an kobaltblauen Pigmenten erreicht. Der Vorteil: Quarzitkörner als Zuschlagstoffe lassen den Beton im direkten Licht glänzen.
Von nahem wirken die grünen Betonplatten interessant und zeigen eine Möglichkeit auf, wie man Beton alternativ und individuell verarbeiten kann. Von weitem jedoch lässt der Kacheleffekt im Muster die Fassade seltsam unwirklich erscheinen. Inwieweit diese sehr spezielle Gestaltung lediglich einer Mode unterliegt, wird die Zukunft zeigen.
Kunst oder Bauwerk?
Die Landschaftsarchitektur von Topotek 1 zeigt am deutlichsten die Idee des ironischen Spiels zwischen Natur und Künstlichkeit. Wege aus Kunstrasen ziehen sich durch den natürlichen Rasen. Ein Teich entpuppt sich auf den zweiten Blick als Nachbildung aus gegossenem Kunstharz, ein Werk des Künstlers Rainer Splitt. Die grünen Fassadenplatten mit dem Efeumuster spinnen dieses Spiel weiter.
Der Kunstharzsee und die Kunstrasenwege haben mehr von einem Kunstwerk, als von benutzbarer Architektur. Die dahinter steckenden Ideen, Metapher und Vergleiche sind bei den Naturnachbildungen – wie auch beim gesamten Gebäude – spontan nicht sofort erkennbar und man dürfte sich über den Einsatz von Kunstrasen erst einmal wundern.
Die deutsche Botschaft in Warschau also ein Baukunstwerk, das ohne eine begleitende Deutung gar nicht zu interpretieren ist? Unser Sinn für Ästhetik wird in jedem Fall provoziert. Und wer die Ironie der Gartengestaltung und die zahlreichen, ausgearbeiteten Kontraste nicht sofort erkennt, könnte davon leicht überfordert sein.
Ob das Gebäude mit seinen versteckten und teils intellektuellen Botschaften gut angenommen und als authentisches Stück Architektur wahrgenommen wird, wird sich zeigen.
Bundesrepublik Deutschland
Kleine Metz Gesellschaft von Architekten mbH
Baujahr: 2009
BGF: 8.400 m²








Witzig!! :-)