OMA - Rotterdamer Stadskantoor - Rotterdam


Frontseite mit Geschäftszeile und stufenartig aufsteigenden Wohn- und Büros. © OMA

Die innen liegende Passage schafft einen fließenden Übergang zwischen Innen und Außen. © OMA

Das Bürgerbüro soll eine offene und bewusst niederschwellige Anlaufstelle bieten. © OMA

Stadskantoor Rotterdam © OMA
Zäsur im Stadtbild
Nach der Zerstörung durch deutsche Luftangriffe im Mai 1940 ist das Zentrum von Rotterdam seit den 1950er-Jahren großflächig nach den Prinzipien der Moderne neu aufgebaut worden. Zu den wenigen Gebäuden, die den Krieg unbeschadet überstanden hatten, zählten das Rathaus, das Postgebäude und die Laurenskerk, die heute als Identität stiftende Bauten das Alte Rotterdam verkörpern. Ansonsten hat das Zentrum ein komplett neues Gesicht erhalten. Im Verlauf der letzten Jahrzehnte sind dabei so bedeutende Architekturprojekte wie die Fußgängerzone Lijnbaan, die bekannten Kubuswohnungen oder die Erasmusbrücke neu entstanden.
Rückwärtig angrenzend an das Rathaus und das Postgebäude soll jetzt das neue Stadskantoor von Rem Koolhaas für eine weitere Zäsur im Stadtbild sorgen. Auf einer Fläche von annähernd 50.000 Quadratmetern integriert der Neubau flexible Bürozellen für die Stadtverwaltung, Bürgerbüros, Geschäfte, eine zusätzliche Einkaufspassage mit zwei großen Atrien, eine Tiefgarage sowie 90 Wohnungen.
Modularer Aufbau
Für seine Heimatstadt hat der Architekt einen modular aufgebauten Komplex aus unregelmäßig übereinander gestapelten Kuben entworfen, der an zwei Punkten sukzessive bis zu einer Höhe von 16 Geschossen aufsteigt. In Richtung Süden und Osten wird der Komplex zudem von den beiden fünfgeschossigen Altbauzeilen des bestehenden Stadskantoors eingefasst und den Blicken entzogen. Die tatsächliche Dimension des Neubaus wird daher vom Stadtraum aus nur an wenigen Stellen erfahrbar sein. Tatsächlich aber bietet der Komplex seinem vielfältigen Funktionsmix eine regelrechte „Stadt in der Stadt“. Die zahlreichen Rücksprünge innerhalb des Baukörpers ermöglichen dabei eine Vielzahl an Außenterrassen in den oberen Geschossen. Im Zusammenspiel mit einer dreidimensionalen Tragwerkskonstruktion aus Stahl ist es durch den modularen Aufbau möglich, einzelne Quader des Komplexes hinzuzufügen, zu entfernen oder umzunutzen. Je nach Bedarf kann der Komplex so flexibel an neue Anforderungen angepasst werden. Zusätzliche Nachhaltigkeit sollen ein ausgeklügeltes Klimakonzept und die Verwendung von transluzenter High-Tech-Dämmung in der Glasfassade ermöglichen.
Temporärer Platz
Nachdem die Stadt vor wenigen Wochen grünes Licht für die Finanzierung gegeben hat, soll bereits im kommenden Jahr mit der Umsetzung des Projekts begonnen werden. Das Grundstück dazu steht schon bereit, nachdem der unansehnliche Erweiterungsbau des bestehenden Stadskantoors aus den 1970er-Jahren bereits vor wenigen Monaten abgebrochen worden ist. Bis zum Baubeginn dient die Fläche gegenwärtig als temporärer öffentlicher Platz. Ein schöner Blickfang dabei ist die bislang den Blicken entzogene Rückseite des bestehenden Stadskantoors, die nach Plänen der Rotterdamer 2012architecten als „vertikaler Garten“ gestaltet wurde. Ein spannender Eingriff in den bestehenden Stadtraum, der Raum für neue Perspektiven schafft.
Ontwikkelingsbedrijf Rotterdam (OBR)
OMA Rem Koolhaas, Rotterdam
Baubeginn: voraussichtlich 2012
BGF: 48.500 m²







