Sir Giles Gilbert Scott - Battersea Power Station - London


Die Battersea Power Station ist eines der beliebtesten Wahrzeichen Londons @ Zoe Rimmer

Die Kraftwerksruine wurde 1980 unter Denkmalschutz gestellt @ Benji Carter 

Battersea Power Station, London, Großbritannien @ Zoe Rimmer

Battersea Power Station, London, Großbritannien @ Zoe Rimmer

Battersea Power Station, London, Großbritannien @ Benji Carter

Battersea Power Station, London, Großbritannien @ Benji Carter

Vier mächtige weiße Schornsteine prägen das Erscheinungsbild des Kraftwerks @ Benji Carter
Die Battersea Power Station war von 1933 bis 1983 als Kohlekraftwerk in Betrieb und ist eines der größten Ziegelgebäude Europas. Es steht auf einem Grundstück mit einer Größe von insgesamt 15,8 Hektar, das entspricht 22 Fußballfeldern. Mit seiner ausgezeichneten Lage am Südufer der Themse und inmitten von London, bietet die denkmalgeschützte Kraftwerksruine einen attraktiven Standort. Allerdings scheiterten seit dem Abschalten des Kohlekraftwerks zahlreiche Bauherren und Architekten an den gigantischen Ausmaßen des Gebäudes. Dennoch bleibt das Grundstück wegen seines Standorts und auch wegen seines Symbolcharakters für die Elektrizitätsindustrie sehr begehrt, und sein Preis steigt.
Goldene Zeiten
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Versorgung der Londoner Industrie mit Elektrizität nicht standardisiert. Stattdessen gab es unzählige private Unternehmen, deren Systeme miteinander inkompatibel waren. In den 1920er Jahren entschloss sich das Parlament, die Energieversorgung zu zentralisieren und zu standardisieren. Man begann 1929 mit dem Bau der Battersea Power Station. Der Entwurf stammte von dem Architekten Sir Giles Gilbert Scott, der außerdem die Waterloo Bridge, die Bankside Power Station, die Kathedrale von Liverpool und auch die roten Telefonzellen entworfen hat.
Der Bau der Battersea Power Station erfolgte in zwei Etappen: Zuerst wurde der erste, längliche Abschnitt Block A mit zwei weißen Schornsteinen im Art Deco-Stil der 30er Jahre fertiggestellt. Er hatte eine Turbinenhalle aus weißen Marmorfließen. 1948 war dann auch Block B fertig und das Kraftwerk erhielt sein vorerst endgültiges Erscheinungsbild mit vier mächtigen, weißen Schornsteinen, von denen jeder mehr als 103 Meter hoch ist. Das Gebäude wurde als Stahlskelett konzipiert, das außen mit Ziegeln verkleidet ist.
In den 1950er Jahren war die Battersea Power Station, dessen Generatoren 500 Megawatt Strom lieferten, das drittgrößte Elektrizitätswerk Großbritanniens. Jedes Jahr wurden eine Million Tonnen Kohle in elektrische Energie umgewandelt.
Symbolcharakter
1927 löste der Vorschlag, das riesige Kraftwerk am Südufer der Themse in Battersea zu verwirklichen, starke Proteste aus, die jahrelang anhielten. Im Laufe der Zeit wurde das Kohlekraftwerk zu einem der beliebtesten Wahrzeichen Londons. Die Battersea Power Station wurde auf Musikalben zahlreicher britischer Pop- und Rockbands abgebildet, unter anderem erschien es 1977 auf dem Cover des Albums Animal von Pink Floyd. Es zeigt ein Stoffschwein, zwischen den Schornsteinen schwebend. Außerdem war die Battersea Power Station 1936 die Kulisse für den Film Sabotage von Alfred Hitchcock. 1980 wurde das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt.
Geplatzte Träume
1975 wurde Block A nach 42 Betriebsjahren abgeschaltet, Block B ging 1983 nach 35 Betriebsjahren vom Netz. Im November 1983 gründeten Londoner Bürger die Battersea Power Station Community Group, um die Öffentlichkeit in die künftige Planung für das ehemalige Kraftwerk einzubeziehen. Außerdem wollte man sicherstellen, dass die Öffentlichkeit von jeglicher neuen Nutzung in Form von neuen Arbeitsplätzen und Wohnungen profitieren kann.
Der erste Investor war der britische Freizeitparkunternehmer John Broome, der das Gelände 1987 für 1,5 Millionen Pfund kaufte. Sein Plan eines Vergnügungsparks setzte 2 Millionen Besucher pro Jahr voraus, um die erwarteten Baukosten von 35 Millionen Pfund zu erwirtschaften. Die Baukosten gerieten allerdings schnell außer Kontrolle, sodass sie sich im Januar 1989 bereits auf 230 Millionen Pfund beliefen. Die Arbeiten wurden gestoppt, zurück blieb das Kraftwerk in seinem jetzigen, halb zerfallenen und freiliegenden Zustand. Die Ruine ist seither ohne Dach und ist mit dem freiliegenden Stahlgerüst der Witterung schutzlos ausgesetzt.
1993 verkaufte Broome das Gelände schließlich für 10 Millionen Pfund an den Großindustriellen Victor Hwang aus Hongkong. Geplant war ein Einkaufszentrum mit Restaurants, Shops, Kinos und Nachtclubs. Sogar die Akrobaten des Cirque du Soleil sollten hier unterkommen. Dieser Plan scheiterte allerdings an einem Streit mit den Denkmalschützern um die Substanz der Schornsteine und an dem Ausstieg einzelner Partner. Gebaut wurde nie.
Die irischen Immobilienunternehmer Richard Barrett und Johnny Ronan erwarben das Projekt 2006 zum stolzen Preis von 532 Millionen Euro. Der Masterplan des amerikanischen Stararchitekten Rafael Viñoly sah die Wiederherstellung der ursprünglichen Funktion des Gebäudes vor: eine Energieproduktion in Form eines überdimensionalen Ökozeltes aus Kunststoff. Auf dem Gelände sollte auf knapp 745.000 Quadratmetern eine Mischnutzung aus mehr als 3.000 Wohnungen, Flächen für Büros und Hotels, einer Parkanlage und einem Einkaufszentrum entstehen. Das ehemalige Kraftwerk sollte als Herzstück der Anlage die industrielle Vergangenheit Londons repräsentieren. Im Herbst 2011 hatte Johnny Ronan mehr als 500 Millionen Pfund Schulden und die Kreditgeber drehten ihm den Geldhahn zu.
Neue Wege
Die britische Bank Lloyds und die irische Bank Nama sind seither die Besitzer der Battersea Power Station. Der nächste Käufer musste bereit sein, 500 Millionen Pfund für die Anlage zu bezahlen. Interessenten gab es trotz allem, unter ihnen der russische Milliardär Roman Abramowitsch, der das Potenzial des Standortes für ein Fußballstadion für den FC Chelsea nutzen wollte. Plätze für 60.000 Fans sollten in der Ziegelsteinhülle der Battersea Power Station unterkommen, und die ehemaligen Schornsteine sollten als Scheinwerfermasten in die Höhe ragen. Auch dieser Investor scheiterte, allerdings nun an der Infrastruktur, die für ein solches Aufkommen an Menschenmengen nicht ausgelegt ist. Zum Problem wurden auch die gigantischen Ausmaße des Grundstücks, von dem das Gebäude selbst nur ein Siebtel ausmacht, und nicht zuletzt der verwitterte Zustand des alten Gebäudes.
Der mit Abstand günstigste Plan kommt von dem Architekten Terry Farrell, der einen urbanen Park auf der Anlage verwirklichen will. Die Kopfseiten der Battersea Power Station und die markanten Schornsteine würde er stehen lassen und die Längsseiten zu Durchgängen umbauen, sodass Besucher durch die Ruine spazieren könnten, die dann als Skulptur im Park stünde.
Diesen Plänen kommen jetzt anscheinend zwei Unternehmen aus Malaysia zuvor, die den Zuschlag erhalten haben sollen und angeblich für über 1,7 Milliarden Euro Wohnungen, Büroräume und Geschäfte auf dem Grundstück errichten wollen.
Sir Giles Gilbert Scott
fertig gestellt: 1948







