Stephan Unger - Villa San Valentino - Merano Alto Adige


Vorderansicht @ Günther Stockklauser

Hinteransicht @ Günther Stockklauser

Mildes Klima @ Ann-Birgit Höller

Villa San Valentinoin der Landschaft @ Ann Birgit Hoeller

Wohnzimmer @ Franz Derntl

Treppenverlauf @ Franz Derntl

Fassadendetail @ Peter Scharler
Umgebung formt Architektur
Man sieht es auf den ersten Blick: Die Villa San Valentino in Merano Alto Adige, geplant vom österreichischen Architekten Stephan Unger, ahmt mit der außergewöhnlichen Biegung die Form der heimischen Berge nach. Erst auf den zweiten Blick ist noch eine weitere Funktion der Gebäudeform zu erkennen: Das Haus krümmt sich und neigt sich von Süden betrachtet etwas nach hinten und richtet sich damit optimal nach der Sonne aus.
Die klimatischen Bedingungen sind in der Region um Meran besonders günstig: Die Gegend gilt als das wintermildeste Gebiet im deutschsprachigen Raum. Das Grundstück liegt an einem Südhang. Das Gebäude orientiert sich in der Form am Verlauf der Sonne und am Einfallswinkel der Sonnstrahlen. Am 21. Juni ist durch den Einfallswinkel die Sonne am steilsten. Der Architekt hat sich bei der Fassadenneigung nach dem durchschnittlichen Einfallswinkel von 46° orientiert.
Traditionelles Handwerk, modern interpretiert
Holzschindeln als Fassadenbekleidung erinnern an die Zeit des 18. Jahrhunderts. Auch wenn Schindeln an einem zeitgenössischen Gebäude fremd wirken, sie zeichnen sich durch viele Vorteile aus. Vor allem Kirchen mit ihren mit Schindeln bedeckten Zwiebeltürmen liefern den Beweis, dass sich dieses Baumaterial perfekt für dynamische Formen eignet.
Der Architekt Stephan Unger hat dies erkannt und ein modernes Gebäude mit diesem traditionellen Handwerk in Verbindung gebracht. Holzschindeln bestehen aus heimischem Lärchenholz und werden nach der traditionellen alpinen Handwerkskunst verarbeitet. Alle Schindeln, die die Villa San Valentino zieren, wurden gemäß dieser Tradition mit der Hand gespalten und 10 Jahre lang getrocknet.
Im Laufe der Zeit wird das Holz verwittern. Dabei bildet sich eine silberne Patina, die dem Aussehen des Gebäudes jedoch nicht schadet. Im Gegenteil, der silberne Glanz unterstützt den dynamischen Effekt der Fassade, wie man heute, 5 Jahre nach Fertigstellung des Gebäudes, bereits erkennen kann.
Die Innenarchitektur hat, im Gegensatz zur äußeren Erscheinung, einen eher gewöhnlichen Charakter. Treppe, Bad und Schlafzimmer wirken fast schon altmodisch. Es überzeugt aber die Verwendung von lokalen Materialien, denn auch für den Innenausbau wurden sehr hochwertige regionale Materialien verwendet, wie Lasa Marmor, Granit, Porphyr und Eiche.
Die Villa San Valentino überzeugt außerdem mit seiner nachhaltigen Bauweise und mit dem Niedrigenergiehaus-Standard. Es wurde ein solaraktives Bauteilheiz- und Kühlsystem integriert.
Fensterfronten nach Ost und West
Das Haus wurde für zwei Familien unterschiedlicher Generationen konzipiert, es gliedert sich in einen Ost- und einen Westflügel. Die Familie, die den Westflügel bewohnt, blickt durch eine große Glasfassade an der einen Stirnseite des Gebäudes in den Vischgau. Die verglaste Stirnseite der Ostfront richtet sich dem Etschtal zu. Beide Fensterfronten bestehen aus einem solaraktiven Spiegelglas. Die beiden Flügel richten sich architektonisch zu den beiden Stirnseiten hin vertikal auf. Sie sind durch die geneigte Südfassade verbunden. Daraus entsteht ein monotolithischer Baukörper, der trotz der äußeren einheitlichen Form zwei getrennte Wohnungen enthält.
Die regionalen Bauvorschriften erlauben in Meran nur oberirdische Kuben von 750 m3. Um ausreichend Platz für zwei Familien zu erhalten, wurde das Gebäude unterkellert. Durch die Hanglage erhalten aber auch diese Räume ausreichend Licht. Die Nordfassade beruhigt den Gesamteindruck des Gebäudes durch Symmetrie und weiß verputztes Ziegelmauerwerk.
Dem Architekten ist es auf eine bemerkenswerte Weise gelungen, das Gebäude in die Landschaft zu integrieren. Dadurch wurde ein Baukörper geschaffen, der zum Bindeglied zwischen Mensch und Natur wird.
Dr. Erich Höller
Stephan Unger
Fertig gestellt
Bebaute Fläche: 120 Quadratmeter








Wirklich weit her geholt, das die Form der Berge die Gestaltungsidee widerspiegelt. Das mir im Original bekannte Gebäude beeindruckt, und ich hoffe, dass konstruktive und Grundrissfunktionale Überlegungen vorrangig waren. Gruß Valkieser, Architekt + Stadtplaner