Steven Holl Architects - Knut Hamsun Center - Hamarøy, Norwegen


Das Knut Hamsun Center als schwarzer Turm in faszinierender Landschaft. © Iwan Baan

Die frei auskragenden Balkone ermöglichen einen weiten Blick auf die Landschaft. © Iwan Baan

Innen erschließt ein minimalistisch gestaltetes Treppenhaus sämtliche Funktionen. © Iwan Baan

Die präzise platzierten Fenster schaffen ein lebendiges Spiel von Licht und Schatten. © Iwan Baan

Der Holzbalkon zitiert das Motiv des „leeren Geigenkastens“ aus dem Roman „Mysterien“. © Iwan Baan
Etwas einsam ist es hier oben ja schon. So rund 1.000 Kilometer nördlich von Oslo in der jenseits vom Polarkreis gelegenen Gemeinde Hamarøy. Aber genau hier, auf einem Hof im Dorf Presteid ist der Schriftsteller Knut Hamsun aufgewachsen. Pünktlich zum 150-jährigen Geburtstag des Literaturnobelpreisträgers im Jahr 2009 wurde vor Ort das Knut Hamsun Center eröffnet. Der karg detaillierte, leicht asymmetrische Turm des amerikanischen Architekten Steven Holl bietet auf einer Fläche von 2.500 Quadratmetern Ausstellungsflächen, eine Bücherei mit Leseraum, ein Café und ein Auditorium mit 230 Plätzen.
Dreidimensionale Erzählung
Charakteristisches Gestaltungsmerkmal des in Stahlbeton errichteten Neubaus ist die weitgehend geschlossene Außenhülle mit ihrer schwarz geteerten Zedernholzverschalung und der nach Nordosten im oberen Bereich schräg nach außen abknickenden Gebäudesilhouette. Die wenigen Fenster und die als Stege auskragenden Balkone aus Holz und grün gefärbtem Glas ermöglichen dabei weite Ausblicke auf den angrenzenden See und das rückwärtig aufsteigende Gebirgspanorama.
Der Entwurf für den Neubau war bereits 1994 in Auftrag gegeben worden und hatte schon 1997 erste Auszeichnungen erhalten. Dennoch benötigte das Projekt anschießend noch 15 Jahre bis zu seiner Fertigstellung. Bei der Planung des rhombenförmigen Turmgebäudes orientierte sich Steven Holl ganz ausdrücklich am Charakter und an den Erzählungen von Hamsun und realisierte einen ebenso eigensinnigen und modernen wie archetypischen Bau, in dem unterschiedlichste Passagen des Autors sowie typische regionale Bautraditionen miteinander verwoben sind. So greift die holzverkleidete Aussichtsbalkon das Motiv eines „leeren Geigenkastens“ im Roman „Mysterien“ auf, und die mit Teer geschwärzte Fassade weist auf altnorwegische Stabkirchen hin. Die etwas skurrile, spontan an struppige Haare erinnernde Bambus-Balustrade auf dem Dachgarten interpretiert dagegen die mit Gras bewachsenen Bauernhausdächer der Region. Zusätzlich verdichtet wird die eigentümliche Atmosphäre durch eine Klanginstallation mit Tonaufnahmen eines nahe gelegenen Flusses.
Heller Innenraum
Der Innenraum des Knut Hamsun Center präsentiert sich im Kontrast zum dunklen Äußeren überraschend hell. Die weiß gestrichenen Betonwände, auf denen die Spuren der horizontalen Holzverschalung sichtbar geblieben sind, schaffen dabei eine eindrucksvolle Bühne für das lebendige, je nach Sonnenstand variierende Licht-und Schattenspiel im Gebäude. Zur vertikalen Erschließung der unterschiedlichen Ebenen und Räumlichkeiten integrierte Steven Holl eine Treppenschleife mit überraschenden Sichtachsen und einen mit Messing-Lochblech verkleideten Aufzugschacht. Das direkt angrenzende Auditorium, das gesondert in einem eigenen, grasdachbedeckten Volumen untergebracht ist,wird dagegen ebenerdig über das Foyer erreicht. Wer also gerade in Richtung Nordkap unterwegs ist: Unbedingt in Hamarøyvorbeifahren! Ein eigensinniges Stück Architektur wie aus einer anderen Welt.
Nordland Fylkeskommune
Steven Holl Architects, New York
Fertigstellung 12/2009
2.500 m²





Martina Mohr
great!!! steve
vor 6 Monaten 4 Wochen 9 Stunden