Tony Fretton - Stadtvilla Tietgens Ærgelse - Kopenhagen


Gelungene Annäherung an die Bebauung in der Umgebung. © Christian Richters 

Architektonischer Rahmen für die Marmorkirken. © Christian Richters 

Zeitlos moderne Lösung in Anlehnung an die Geschichte. © Christian Richters

Kontrastreiches Zusammenspiel des Neubaus mit der Marmorkirken © Christian Richters
Im Kopenhagener Quartier Frederiksstaden gibt es neben Schloss Amalienborg auch die Ende des 19. Jahrhunderts fertiggestellte Marmorkirken mit ihrer 46 Meter hohen Kuppel zu bestaunen. Direkt angrenzend an den imposanten Kirchenbau war seinerzeit auch eine symmetrische Platzbebauung im Stil des Historismus neu errichtet worden. Die südwestlich gelegene Ecke des Platzes war jedoch bis in die Gegenwart hinein unbebaut geblieben und diente jahrelang als provisorischer Standort für eine Imbissbude. Inzwischen wurde auf der 200 Quadratmeter großen Baulücke die multifunktional nutzbare Stadtvilla Tietgens Ærgelse fertiggestellt.
Sensible Einbettung
Der sechsgeschossige Neubau des britischen Architekten Tony Fretton bietet mit seiner zeitlos eleganten Architektur eine gelungene Annäherung an die vorhandene Bebauung aus unterschiedlichen Epochen, ohne sich dabei nostalgisch anzubiedern. Ein wichtiger Bezugspunkt ist dabei das direkt gegenüber liegende Stadthaus. Um einen repräsentativen Auftakt für die Platzbebauung und einen angemessenen Rahmen für die Marmorkirken zu schaffen, hat Tony Fretton bei seiner Planung neben der Dimension und der Bebauungshöhe auch die historistische Fassadengliederung des Altbaus aufgegriffen.
Im Kontrast zum aufwändig verzierten Bestand hat der britische Architekt seine Stadtvilla allerdings von sämtlicher historisierenden Ornamentik befreit und somit eine zeitgemäße, beinahe abstrakte Interpretation des vorhandenen Umfeldes geschaffen. Zentrale Details sind dabei die großen, elegant profilierten Fensteröffnungen, die zurückliegenden Balkone, das Attikageschoss mit Außenterrasse sowie das parallel zum Bestand realisierte Vordach. Eine weitere Besonderheit ist die schmale Front in Richtung Westen, die sich mit ihren vertikalen Fenstern an der kleinteiligen Bebauung aus dem 18. Jahrhundert entlang der angrenzenden Haupterschließungsachse Store Konensgade orientiert. Sämtliche Fassaden wurden in Anlehnung an die Sandsteinfassaden in der Umgebung mit Kalkmörtel sowie mit gefärbtem Glasfaserbeton ausgebildet.
Großzügiger Innenraum
Im Innenraum des Neubaus stehen auf einer Nutzfläche von rund 1.300 Quadratmetern neben einem Café im Erdgeschoss und Büros im ersten Obergeschoss auch sechs Wohnungen in den Ebenen drei bis fünf sowie ein Penthouse im Attikageschoss zur Verfügung. Neben ausreichend Raum können die Bewohner, Mitarbeiter und Caféhausgäste dabei die wunderbare Aussicht auf die Marmorkirken bewundern. Wirklich enttäuscht von dem Projekt sind daher nur die Fans der ehemals hier ansässigen Imbissbude. Denn „Marys Corner“ ist inzwischen endgültig Geschichte.
Realea A/S
Tony Fretton, London
Fertigstellung 11/2010
1.300 m²




