Valerio Olgiati - Ateliertheater Bardill - Scharans, Schweiz


Ansicht des Ateliertheaters © Valerio Olgiati

Innenhof des Ateliertheaters © Valerio Olgiati

Die einzige Öffnung in der Fassade © Valerio Olgiati

Das eigentliche Atelier © Valerio Olgiati

Die Ornamentik © Valerio Olgiati

Der Eingang © Valerio Olgiati

Grundiss © Valerio Olgiati

Eingliederung in die Umgebung © Valerio Olgiati

Schnittansicht © Valerio Olgiati
Das 800-Einwohner-Dorf Scharans liegt im Osten der Schweiz. Es ist eine von 12 Gemeinden des Domleschg im Kanton Graubünden. Hier entstand das Ateliertheater Bardill des Schweizer Künstlers Linard Bardill.
Auf dem Grundstück, auf dem sich das Atelier befindet, stand vorher ein Stall. Um im historischen Zentrum von Scharans eine Baugenehmigung für einen Neubau zu bekommen, gibt es klare Regeln: Das neue Gebäude muss dem alten an Volumen und Ausmaß gleich sein, um dem Stadtkern seine Prägnanz nicht zu nehmen.
Der Bauherr benötigte für sein Atelier ca. 60 m2, also nur ein Drittel des Raumes, der wieder bebaut werden musste. Fünf Jahre arbeiteten der Bauherr Linard Bardill und der Architekt Valerio Olgiati am Entwurf und an der Lösung.
Raum für künstlerisches Schaffen
Linard Bardill ist Liedermacher, Autor und Geschichtenerzähler. Bekannt ist er vor allem für seine Kinderlieder und Geschichten in Schweizerdeutsch. Nach Abschluss seines Theologiestudiums 1984 setzte er sein Augenmerk auf das Singen, Musizieren und Schreiben. Bereits 1986 startete er sein Bühnenprogramm. Er bekam mehrere Preise für seine Kinderbücher, Theaterstücke, Jugendromane und Lieder. Seine Tourneen mit dem Tonhallenorchester führten ihn bis in die USA. Der Vater von fünf Kindern lebt seit 12 Jahren in der Ortschaft Scharans. Was ihm fehlte, war ein Ort, an den er sich zurückziehen und in Ruhe arbeiten konnte. Das war die Geburtsstunde des Ateliertheaters Bardill.
Ein Haus ohne Fenster und Dach
Aus der Luft betrachtet, gliedert sich das neue Ateliertheater unauffällig in den Schwarzplan von Scharans ein. In der Ansicht jedoch steht der Bau ganz im Gegensatz zur Kleinmaßstäblichkeit des Dorfes. Es ist ein massives Bauwerk aus erdfarbenem Beton, das bis auf eine große Öffnung in der Fassade kein Fenster besitzt. Der industrielle und harte Charakter des Materials Beton wird jedoch gänzlich durch eine Ornamentik und die rotbraune Farbe genommen. 150 unterschiedlich große Rosetten verzieren die gleichfarbige Fassade des Gebäudes bzw. der umgebenden Mauer. Die rotbraune Betonfarbe und die Ornamente halfen unter anderem am Ende auch, die Gegner des Projektes zu überzeugen.
Ruhe-Oase hinter Mauern
Der Grundriss des gesamten Bauwerkes ist leicht trapezförmig. Ein Drittel der Fläche ist dem eigentlichen Atelier zugeschrieben. Die restlichen Zweidrittel gestaltete der Architekt Valerio Olgiati als einen von einer hohen Mauer umschlossenen und teilweise überdachten Innenhof.
Die Giebelform ist asymmetrisch. Der Bereich mit dem Atelier ist durch ein Dach abgedeckt. Die andere Seite des Giebels ragt funktionslos in die Höhe. In halber Höhe wurde eine waagrechte Betonplatte eingezogen. Sie hat eine ovale Öffnung mit einer Länge von 14 Metern. Dort befindet sich der Innenhof. Einen Blick in das Innere dieses Hohlraums bekommt man durch die große Aussparung in der Fassade, die zum Dorfplatz zeigt.
Das Atelier hat zum Innenhof hin eine aufklappbare Glasfront. Die einzige feste Installation im Atelier ist der offene Kamin, der in einer Ecke des Raumes seinen Platz hat.
Keine Provokation
Die restriktive örtliche Bauordnung ließ nur zwei Lösungen zu: Eine neue Struktur in die alte Hülle einzubinden oder umgekehrt. Bardill und Olgiati entschieden sich für die zweite Option. Linard Bardill sind das Dorf und seine Einwohner ans Herz gewachsen. Das Gebäude sollte nicht zur Provokation werden oder gar Missmut hervorrufen. Darum wurden die Bewohner des Ortes gleich nach Fertigstellung eingeladen, den Kunstbau zu besichtigen und das Anliegen des Künstlers zu verstehen.
Das Atelier ist immer freitags von 13 bis 17 Uhr für die Öffentlichkeit zugänglich.
Linard Bardill
Valerio Olgiati
Baujahr: 2007
ca. 120







